Sind Eltern in der Lage, Kindern Social Media beizubringen?

16. Juni 2026

Laut der ZEIT [€] betonen die Bildungsminister in ihrer neuen Erklärung zu „Social Media im schulischen Bereich“, dass die Schule keine stärkere Verantwortung im Umgang mit sozialen Medien übernehmen solle und verweisen stattdessen vor allem auf die Eltern. Expert*innen kritisieren dies als Verschiebung der Verantwortung und fordern stattdessen einen deutlichen Ausbau der Medienbildung an Schulen, da diese bislang uneinheitlich und häufig unzureichend umgesetzt werde. Auch die saarländische Kultusministerin Streichert-Clivot betont im Deutschlandfunk, dass es Aufgabe der Schulen sei, digitale Medienbildung zu leisten. Wie genau die Verantwortung von Medienbildung zwischen Eltern und Schule aufgeteilt werden soll, bleibt abzuwarten.

Die Expertenkommission für „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat zunächst eine Bestandsaufnahme veröffentlicht. Darin hat sie bewusst noch keine konkreten Empfehlungen ausgesprochen. Stattdessen schafft sie zuerst eine wissenschaftlich fundierte Basis. Auf dieser Grundlage werden aktuell konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Ende Juni 2026 vorgestellt werden.

Wenn Eltern auf Desinformationen, KI-Fakes, Verschwörungstheorien und Love Scamming reinfallen [€], dann macht es wenig Sinn, die Eltern als Hauptverantwortliche für die Vermittlung von Medienkompetenz zu sehen. Es braucht gerade bei den älteren Generationen mehr Bewusstsein. Der sinnvolle Umgang mit neuen Medien muss von allen erlernt werden. Die Kultusministerkonferenz täte gut daran, die Verantwortung nicht auf die Eltern zu schieben, sondern Verbände und Schulen für die Medien- und Demokratiebildung durch geeignete Förderprogramme zu stärken. Die Datenschutz-Community ist ebenfalls aufgerufen, ein Umfeld zu unterstützen, indem die Nutzung sozialer Medien für alle gelingen kann. Die Angebote im Fediverse bieten dafür gute Ansätze. Auch dafür braucht es eine Stärkung.

Zur Medienkompetenz gehört nicht nur der kritische Umgang mit Desinformation, KI-generierten Fälschungen oder problematischen Inhalten, sondern auch ein Verständnis dafür, wie personenbezogene Daten erhoben, verarbeitet und genutzt werden. Kindern und Jugendlichen kann in diesem Bereich über die Schule viel hilfreiches Wissen vermittelt werden.

Ihre digitale Lebenswelt wird zunehmend von personalisierten Empfehlungssystemen und datengetriebenen Geschäftsmodellen geprägt. Medienbildung sollte daher auch Datenschutzbildung umfassen. Mit vielen dieser Fragen haben wir uns im Rahmen unseres DatenTags „Personenbezogene Daten: Besonderer Schutz für Kinder und Jugendliche“ bereits intensiv beschäftigt und stellen auf unserer Website ein entsprechendes Gutachten sowie eine Handreichung zur Verfügung.

Außerdem haben wir bereits im April über die Herausforderungen von Altersverifikationsverfahren berichtet, die für die Durchsetzung von Altersgrenzen im Internet erforderlich sind. Dabei entsteht ein Spannungsfeld: Einerseits soll der Schutz Minderjähriger gestärkt werden, andererseits erfordern viele Verfahren die Verarbeitung zusätzlicher personenbezogener Daten.