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Journalistenpreis 2019 der Stiftung Datenschutz geht an Harald Maass für seine Reportage zur Überwachung eines ganzen Volkes in China

Berlin, 13. November 2019. Totale Überwachung dank modernster Technik: Der diesjährige Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz wurde an Harald Maass für seine Reportage „Totale Kontrolle“ verliehen, erschienen im SZ-Magazin vom 15. März 2019, in der er die Unterdrückung der Uiguren durch die chinesischen Behörden beschreibt. Der Text zeigt in einzigartiger Weise, wie moderne Technik zur politischen Machtausübung ausgenutzt wird und regt zum Nachdenken über den Umgang mit persönlichen Daten an, begründet die interdisziplinäre Jury ihre Entscheidung. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde in Berlin übergeben.

Die Jury war sich schnell einig: Die investigative Reportage aus Xinjiang, einer von der uigurischen Minderheit bewohnten autonomen Region im Nordwesten Chinas, beschreibt die beklemmende Gleichzeitigkeit von Wüste und High-Tech, von muslimischen Traditionen und chinesischen Polizeiknüppeln. Die Überwachung der Bevölkerung durch den chinesischen Staat ist total. Nach einem falschen Wort, der Kommunikation mit Fremden oder dem Einkauf verdächtiger Waren droht das Lager. Gesichtserkennung und Telefonüberwachung gehören zum Alltag und prägen eine Atmosphäre der Angst. Die fesselnde, anschauliche Beschreibung überzeugte die Jury. 

Bei einer Feierstunde mit rund 100 Gästen wurde dem Autor nun der Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz übergeben, der in Kooperation mit dem Deutschen Spendenrat und der Deutschen Fachpresse verliehen wird. Der Gewinnertext sei packend geschrieben, so der Juryvorsitzender Prof. Dr. Lutz Frühbrodt über die Reportage. „Wir sehen im Beitrag Totale Kontrolle, was modernste Technik eben auch bringen kann, nämlich den Verlust von Privatsphäre und der Kontrolle über das eigene Leben“, so Frühbrodt in seiner Laudatio. Im Bericht aus Xinjang werden die Techniken beschrieben, mit der die chinesische Regierung die muslimische Minderheit der Uiguren engmaschig überwacht und interniert. „An diesem Beispiel wird die Machtfülle anschaulich, die aus der Überwachung resultiert. Die Kontrolle der Kommunikation schränkt die Grundrechte ein – Freiheit braucht Privatsphäre, auch bei uns.“

Der Preis, der in Kooperation mit dem Deutschen Spendenrat und der Deutschen Fachpresse verliehen wird, wurde im Rahmen einer Konferenz der Bundesstiftung vor rund 100 Gästen übergeben. Dabei wurde im weiteren Verlauf auch über die Chancen und Herausforderungen der EU-Datenschutzgrundverordnung in Ehrenamt und Vereinen diskutiert. Wolfgang Stückemann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats, sieht diesen Austausch als sehr fruchtbar an: „Die Kooperation zwischen der Stiftung Datenschutz und dem Deutschen Spendenrat sowie der Siebenpfeiffer-Stiftung schafft hervorragende Möglichkeiten, den Datenschutz mit dem Ehrenamt zu verknüpfen.“ Bernd Adam, Geschäftsführer Deutsche Fachpresse, betont die Notwendigkeit einer objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz: „Der Preis zeigt immer wieder, wie vielschichtig das Thema Datenschutz ist – in diesem Jahr besonders unter dem Eindruck staatlicher Überwachung. Herausragende Journalisten wie Harald Maass setzen sich differenziert mit dem Thema auseinander und beziehen unterschiedliche Perspektiven mit ein. Ein wichtiger Beitrag auch zur Meinungsfreiheit!“ Auch die Recherchetiefe des Beitrags lobt Ulrich Pohl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats: „Ein hervorragender Beitrag zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Chinas ist dem Autor gelungen. Es ist beeindruckend, mit welcher Kompetenz der Autor sich äußert.“

Obwohl die beschriebenen Verhältnisse nicht nur geographisch weit entfernt schein, gibt es durchaus Bezüge zur deutschen Lebenswirklichkeit, sagt der Vorstandsvorsitzender der Stiftung Datenschutz, Frederick Richter: „China ist uns technisch in vielen Bereichen  voraus, nutzt diesen Vorsprung jedoch oft genug gegen die eigene Bevölkerung. Aus unserer Sicht ist es notwendig, technische Innovationen stets auch auf potentiellen Schaden für die Privatsphäre und die institutionelle Selbstbestimmung zu prüfen.“

Preisträger Harald Maass berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt aus Asien. In Peking und Hongkong verfolgte er die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Zuvor studierte er Kommunikationswissenschaften in München und Hongkong und promovierte an der FU Berlin. Maas ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule und arbeitet als freier Journalist. Die Reportage ist unter schwierigen Bedingungen entstanden: Maass wurde nach eigenen Aussagen mehr als 50 Mal von der chinesischen Polizei kontrolliert. 

Seit 2017 prämiert die Stiftung Datenschutz die objektive Einordnung und verständliche Erklärung komplexer datenschutzrechtlicher Themen im Journalismus. Erstmals wurde der Preis in Partnerschaft mit dem Deutschen Spendenrat auf einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin vergeben. „Wir meinen: Komplexe Sachverhalte brauchen ausgewogene und differenzierte Berichterstattung“, erklärt Frederick Richter, Vorstand der Stiftung Datenschutz, zur Zielrichtung des Preises.

Hauptkriterium der Vergabe waren eine attraktive und dabei differenzierte Darstellung von Risiken und Chancen, die der Umgang mit personenbezogenen Informationen mit sich bringt. Die unabhängige Jury ist interdisziplinär besetzt mit Expertinnen und Experten aus Journalismus und Verlagswesen, Datenschutz und Digitalisierung sowie dem Ehrenamt. In den vergangenen Jahren erhielten der freie Journalist Adrian Lobe sowie die ZEIT-Redakteurin Laura Cwiertnia den Journalistenpreis für ihre hervorragenden Beiträge zum Datenschutz. 

Weitere Hintergründe zur Veranstaltung und Impressionen finden Sie auf www.datentag.de!

Grußwort Ulrich Kelber

Tagtäglich werden wir von Informationen überflutet, gute und schlechte, wahre und falsche, spannende und nichtssagende, wichtige und unwichtige. Dieses Übermaß an Informationen zu sortieren, zu prüfen, zu bewerten und verständlich aufzuarbeiten ist die Aufgabe von Journalismus. (Foto: Bundesregierung/Kugler) Mehr!

Laura Cwiertnia erhält den Journalistenpreis 2018 der Stiftung Datenschutz

Was macht Alexa mit all dem, was die Leute ihr erzählen? Dieser Frage ging Laura Cwiertnia in einem Beitrag in der ZEIT nach und erhält für die spannend sowie ausgewogen aufbereiteten Antworten den Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz, der in Kooperation mit der Deutschen Fachpresse verliehen wird. Das Selbsterfahrungsstück der Wirtschaftsredakteurin wurde von einer Fachjury als besonders preiswürdig bewertet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird zum zweiten Mal vergeben. Mehr

Adrian Lobe mit Journalistenpreis 2017 der Stiftung Datenschutz ausgezeichnet

In Anerkennung der besonders ausgewogenen Darstellung von Chancen und Risiken des Umgangs mit Daten in einer digitalisierten Welt und der herausragenden journalistischen Qualität, erhält Adrian Lobe den Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz, der in Kooperation mit der Deutschen Fachpresse erstmals vergeben wird. In seinem Essay "Wir haben sehr wohl etwas zu verbergen" schildert er auf ZEIT Online das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und technischen Innovationen. Im Beisein der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, des Stiftungsvorstands Frederick Richter sowie von Stefan Rühling, Sprecher der Deutschen Fachpresse, nahm der freie Journalist die Urkunde und das Preisgeld von 5.000 Euro beim Fachpresse-Empfang auf der Frankfurter Buchmesse entgegen.Mehr...