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Wie eine Regierung ein ganzes Volk bespitzelt: Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz geht an Harald Maass für Reportage zur Überwachung in China

Berlin/Leipzig, 13. November 2019. Der diesjährige Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz wird an Harald Maass verliehen für seine Reportage „Totale Kontrolle“, erschienen im SZ-Magazin vom 15. März 2019. Der Text beschreibt die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren durch die chinesischen Behörden mithilfe allumfassender Überwachung. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Der Text zeigt in einzigartiger Weise, wie moderne Technik zur politischen Machtausübung ausgenutzt wird und regt zum Nachdenken über den Umgang mit persönlichen Daten an, begründet die interdisziplinär besetzte Jury ihre Entscheidung. In seiner Laudatio würdigte der Vorsitzende Prof. Dr. Lutz Frühbrodt die eindringliche Schilderung des Lebens unter vollständiger Überwachung: „In dieser Reportage wird die Machtfülle anschaulich, die aus der Überwachung resultiert. Die Kontrolle der Kommunikation schränkt die Grundrechte ein – Freiheit braucht Privatsphäre.“

Der Preis, der in Kooperation mit dem Deutschen Spendenrat und der Deutschen Fachpresse verliehen wird, wurde im Rahmen einer Konferenz der Bundesstiftung vor rund 100 Gästen übergeben. Dabei wurde im weiteren Verlauf auch über die Chancen und Herausforderungen der EU-Datenschutzgrundverordnung in Ehrenamt und Vereinen diskutiert. Wolfgang Stückemann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats, sieht diesen Austausch als sehr fruchtbar an: „Die Kooperation zwischen der Stiftung Datenschutz und dem Deutschen Spendenrat sowie der Siebenpfeiffer-Stiftung schafft hervorragende Möglichkeiten, den Datenschutz mit dem Ehrenamt zu verknüpfen.“ Bernd Adam, Geschäftsführer Deutsche Fachpresse, betont die Notwendigkeit einer objektiven Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz: „Der Preis zeigt immer wieder, wie vielschichtig das Thema Datenschutz ist – in diesem Jahr besonders unter dem Eindruck staatlicher Überwachung. Herausragende Journalisten wie Harald Maass setzen sich differenziert mit dem Thema auseinander und beziehen unterschiedliche Perspektiven mit ein. Ein wichtiger Beitrag auch zur Meinungsfreiheit!“ Auch die Recherchetiefe des Beitrags lobt Ulrich Pohl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats: „Ein hervorragender Beitrag zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Chinas ist dem Autor gelungen. Es ist beeindruckend, mit welcher Kompetenz der Autor sich äußert.“

Obwohl die im ausgezeichneten Text beschriebenen Verhältnisse nicht nur geographisch weit entfernt scheinen, gibt es durchaus Bezüge zur deutschen Lebenswirklichkeit, sagt der Vorstand der Stiftung Datenschutz, Frederick Richter: „Aus unserer Sicht ist es notwendig, technische Innovationen stets auch auf Risiken für Privatsphäre und Selbstbestimmung zu prüfen. Presse und Journalismus spielen dabei eine wichtige Rolle in der öffentlichen Diskussion.“ 

Preisträger Dr. Harald Maass berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt aus Asien. In Peking und Hongkong verfolgte er die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Zuvor studierte er Kommunikationswissenschaften in München und Hongkong und promovierte an der FU Berlin. Maass ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule und arbeitet als freier Journalist. Die Reportage ist unter schwierigen Bedingungen entstanden: Maass wurde mehr als 50 Mal von der chinesischen Polizei kontrolliert. 

Seit 2017 würdigt die Stiftung Datenschutz journalistische Texte, die komplexe Themen mit Datenschutz-Bezug ausgewogen und verständlich behandeln. Hauptkriterium der Vergabe ist seither eine journalistisch anspruchsvolle und dabei differenzierte Darstellung von Risiken und Chancen, die der Umgang mit personenbezogenen Informationen mit sich bringt. Die unabhängige Jury ist interdisziplinär besetzt mit Expertinnen und Experten aus Journalismus und Verlagswesen, Datenschutz und Digitalisierung sowie dem Ehrenamt. In den vergangenen Jahren wurden Texte des freien Journalisten Adrian Lobe und der ZEIT-Redakteurin Laura Cwiertnia ausgezeichnet.